Ein Forschungsteam der Universität Bonn konnte bei Menschen mit Übergewicht, hohem Blutdruck und ungünstigen Blutzuckerwerten (Expert:innen sprechen vom metabolischen Syndrom) erhöhte Blutfettwerte günstig beeinflussen – und das weit über die Dauer der Kur hinaus. Die Teilnehmenden erhielten entweder eine kalorienreduzierte Haferkur oder eine ebenfalls kalorienreduzierte Vergleichsdiät ohne Hafer. In der Hafergruppe aßen die Proband:innen an zwei Tagen jeweils dreimal 100 Gramm Haferflocken, gekocht in Wasser und nur ergänzt durch kleine Mengen Obst oder Gemüse. Nach diesen zwei Tagen sowie über einen Zeitraum von sechs Wochen hinweg wurden Blutwerte, Körpergewicht, Fettverteilung und Stuhlproben analysiert.
Beide Gruppen profitierten von der kalorienreduzierten Diät. In der Hafergruppe waren die Effekte jedoch ausgeprägter. Besonders auffällig war der Rückgang des LDL-Cholesterins, das als besonders ungünstig für die Gefäßgesundheit gilt. Es sank im Durchschnitt um etwa zehn Prozent. Bemerkenswert ist, dass diese Veränderungen anhielten, obwohl die Proband:innen nach den zwei Tagen wieder zu ihrer normalen Ernährung zurückkehrten.
Kurzes „Reset“ ist effektiver
Ein ergänzender Versuch zeigte allerdings auch eine Grenze der Wirkung. Wurden über mehrere Wochen kleinere Mengen Haferflocken zur gewohnten Ernährung hinzugefügt, blieben die Effekte auf die Blutfettwerte gering. Entscheidend scheint also eine zeitlich begrenzte, aber sehr haferreiche Ernährung zu sein.
Die Idee gezielter „Hafertage“ ist nicht neu. Bereits Anfang des 20. Jahrhunderts – vor der Entdeckung des Insulins - setzte der deutsche Internist Carl von Noorden Hafer gezielt in der Behandlung von Menschen mit Diabetes ein. Seine sogenannte Haferkur bestand aus streng definierten Hafertagen und führte bei vielen Patient:innen zu deutlich verbesserten Blutzuckerwerten, selbst dann, wenn andere Diäten kaum wirkten. Neben dem Zuckerstoffwechsel beobachtete von Noorden auch günstigere Blutfettwerte. Die aktuelle Forschung liefert nun einen plausiblen biologischen Mechanismus für diese frühen klinischen Beobachtungen.
Warum funktioniert die Haferkur?
Die Forschenden untersuchten nicht nur die Blutwerte, sondern auch das Mikrobiom der Teilnehmenden. Bestimmte Ballaststoffe im Hafer, die β-Glucane, fördern nützliche Darmbakterien. Diese Mikroorganismen setzen beim Stoffwechsel des Hafers phenolische Verbindungen frei. Aus Tierstudien ist bekannt, dass diese den Cholesterinstoffwechsel beeinflussen können.
Parallel dazu veränderte sich die Zusammensetzung des Darmmikrobioms. Nach der Haferkur nahm insbesondere der Anteil von Bakterien aus einer bislang wenig erforschten Gruppe der Bakterien zu. Das liefert einen plausiblen Ansatz, warum der Effekt auf den Stoffwechsel länger anhält als die Diät selbst.
Fazit
Die Studie zeigt, dass schon eine sehr kurze, klar definierte Haferflocken-Diät messbare Effekte auf das LDL-Cholesterin und weitere Stoffwechselparameter haben kann und über das Mikrobiom im Darm vermittelt wird.
Forschende der Universität Bonn berichten in Nature Communications über die Effekte einer zweitägigen Haferflocken-Diät auf Blutfettwerte und Darmflora (Nature Communications, 2026; doi: 10.1038/s41467-026-68303-9).