Gesundes, langes und kräftiges Haar ist für viele ein Schönheitsideal. Daher kann es nach dem Friseurbesuch oder einer Phase des Haarausfalls oft gar nicht schnell genug gehen, dass die Haare wieder an Länge gewinnen. Doch Haare wachsen nicht über Nacht, sondern haben ihr eigenes Tempo. Es gibt allerdings Möglichkeiten, das Haarwachstum optimal zu unterstützen. Dafür haben wir uns den Wachstumszyklus der Haare einmal genauer angeschaut. Wir verraten Dir, wie schnell Haare wachsen und welche Faktoren die Wachstumsgeschwindigkeit beeinflussen können – im positiven wie im negativen Sinne.
Wie sind Haare aufgebaut?
Um zu verstehen, wie Haare wachsen und wie sich Haarwachstum anregen lässt, ist es hilfreich, sich zunächst mit ihrem Aufbau und ihren Bestandteilen vertraut zu machen. Obwohl sie recht einfach strukturiert erscheinen, sind Haare erstaunlich komplex. Sie bestehen aus mehreren Elementen, die perfekt zusammenarbeiten und sie stark und flexibel machen.
Die äußerste Schicht des Haares, die sogenannte Schuppenschicht (Cuticula), setzt sich aus dachziegelartig angeordneten Hornzellen zusammen, die das innere des Haares vor Schäden schützen. Liegen die Zellen flach an, ist das Haar gesund und erscheint glatt und glänzend. In der mittleren Faserschicht (Cortex), die rund 80 Prozent des Haaranteils ausmacht, finden sich Melanin, das die Haarfarbe bestimmt sowie Keratinfasern, die für Elastizität und Festigkeit verantwortlich sind. Im Zentrum des Haares liegt das Haarmark (Medulla), das ebenfalls zur Haarfestigkeit beiträgt.
Für uns sichtbar ist nur ein Teil des Haares, der sogenannte Haarschaft (Scaphus pili). Der unter der Kopfhaut befindliche Teil wird als Haarwurzel (Radix pili) bezeichnet. Diese reicht in die Lederhaut (Dermis) und teils auch bis in die Unterhaut (Subcutis) hinein. Am unteren Ende der Haarwurzel liegt die sogenannte Haarzwiebel (Bulbus pili) – eine zwiebelförmige Verdickung, in der sich die Haarpapille befindet. Letztere besteht aus gut durchblutetem Bindegewebe und versorgt das Haar mit Sauerstoff und Nährstoffen.
Im Bereich der Haarzwiebel, genauer gesagt, an der Grenze zur Haarpapille, werden durch Zellteilung ständig neue Keratin-Fasern gebildet, die sich nach und nach an die Oberfläche schieben, wodurch das Haar wächst.
Sowohl die Haarwurzel, als auch der untere Teil des Haarschaftes, werden von einer sackartigen Struktur, dem Haarfollikel oder Haarbalg (Folliculus pili) umgeben. Dieser besteht aus zwei Schichten: der äußeren und inneren Haarwurzelscheide. Die äußere Haarwurzelscheide ist eine trichterförmige Einstülpung der Basalschicht der Haut, die den Haarfollikel in der Haut verankert. Die innere dreischichtige Haarwurzelscheide bildet einen röhrenförmigen Kanal, durch den sich das wachsende Haar nach draußen schieben kann.
In den Follikel mündet eine Talgdrüse, die das wachsende Haar einfettet und es so weich hält und vor Keimen schützt. Zudem ist jeder Follikel von Nerven umgeben, die sensorische oder mechanische Informationen weiterleiten. Der Haarbalgmuskel wiederum reagiert auf Informationen und dafür, dass sich das Haar bei Einflüssen wie Kälte oder psychischen Einflüssen wie Stress oder Wut aufstellt.
Wie wachsen Haare?
Das Wachstum der Haare beginnt tief in unserer Haut, genauer gesagt in der Wachstumszone (Haarmatrix) der Haarzwiebel. Hier befinden sich sogenannte Haarmatrixzellen, die sich teilen und vermehren. Durch den ständigen Zuwachs an neuen Zellen, werden die älteren Zellen langsam durch den Haarkanal nach oben geschoben.
Dabei differenzieren sich die Zellen und verhornen, so dass das Haar an Struktur gewinnt. Da die Haarmatrixzellen sich mit einer außergewöhnlichen Zellteilungsrate vermehren, sind sie auf eine gute Versorgung mit Nährstoffen und Sauerstoff angewiesen. Diese werden über die feinen Blutgefäße an der Papille zur Verfügung gestellt. Die Papille ist es auch, die das Wachstum des Haares kontrolliert.
Interessanterweise verläuft das Wachstum nicht für alle Haare synchron. Vielmehr hat jeder Haarfollikel seinen eigenen Zyklus, der zu den benachbarten Follikeln seitlich versetzt abläuft. So wird gewährleistet, dass der Gesamtbestand der Kopfbedeckung stabil bleibt.
Haarzyklus
Wie fast alles in der Natur durchlaufen auch unsere Haare einen eigenen Zyklus. Der Haarzyklus unterteilt sich in drei verschiedene Phasen, die jeweils unterschiedlich lang sind:
- Die Anagen- oder Wachstumsphase
- Die Katagen- oder Übergangsphase
- Die Telogen- oder Ruhephase
Wachstumsphase (Anagenphase)
Die Wachstumsphase, medizinisch auch Anagenphase genannt, ist die längste der drei Phasen. In dieser bildet sich ein neuer Haarfollikel, der die Bildung eines Haares einleitet. Rund 85-90 Prozent unserer Kopfhaare befinden sich in der Anagenphase und wachsen rund zwei bis sechs Jahre. An anderen Bereichen des Körpers hingegen verbleiben die Haare deutlich kürzer in der Wachstumsphase. An den Fingern beispielsweise beträgt sie deutlich weniger als 6 Monate. Daher variiert auch die Haarlänge an anderen Stellen wie dem Intimbereich im Vergleich zum Kopf erheblich.
Wie lange die Anagenphase jeweils dauert ist erblich vorgegeben und somit bei allen Menschen verschieden. Zudem hängt sie davon ab, ob bzw. wie lange sich die Matrixzellen kontinuierlich teilen und vermehren können. Dies wiederum hängt auch von der Sauerstoff- und Nährstoffversorgung der Haarwurzel ab.
Übergangsphase (Katagenphase)
In der Übergangsphase des Haarzyklus kommt das Haarwachstum langsam zum Erliegen. Die Haarwurzel wird immer weniger mit Nährstoffen versorgt, sodass die Zellteilungsaktivität in der Haarmatrix abnimmt und keine neue Haarsubstanz mehr gebildet wird. Stattdessen schrumpft die Haarwurzel und verhornt. Das Haar wird schließlich von der Haarpapille abgelöst und über den Haarkanal nach oben geschoben. Dieser Prozess des Übergangs, indem sich in der Regel 1 bis 3 Prozent der Haare befinden, dauert rund zwei bis vier Wochen.
Ruhephase (Telogenphase)
Sobald das Haar gänzlich von der Papille und damit auch von der Nährstoffversorgung abgetrennt ist, beginnt die Ruhephase, die einige Monate andauern kann. Das Haar ist jetzt nicht mehr fest in der Kopfhaut verankert und fällt schließlich beim Waschen oder Kämmen aus. Währenddessen regeneriert sich der Haarfollikel und bereitet sich auf die Bildung eines neuen Haares vor, mit der schließlich ein neuer Haarzyklus beginnt. In der Ruhephase befinden sich etwa 7 bis 14 Prozent der Haare.
Der Verlauf des Haarzyklus wird von Hormonen gesteuert, aber auch die Gene spielen dabei eine Rolle.
Wie schnell wachsen Haare?
Die Wachstumsrate von Haaren ist erstaunlich konstant: Im Durchschnitt wachsen sie etwa 0,3 bis 0,5 Millimeter pro Tag. Das entspricht etwa 1 bis 1,5 Zentimetern pro Monat oder 12 bis 18 Zentimetern pro Jahr. Allerdings kann die genaue Geschwindigkeit, mit der die Haare wachsen, individuell variieren.
Neben inneren Faktoren wie Alter, Geschlecht, Veranlagung und Hormonstatus spielen bei der Geschwindigkeit des Haarwachstums auch äußere Einflüsse eine Rolle. Umwelt- und Pflegefaktoren wie starkes Ziehen, häufige Hitzestyling-Methoden oder aggressive chemische Behandlungen beispielsweise können sich negativ auf die Haarqualität auswirken und das Wachstum verlangsamen. Auch Stress oder eine ungesunde Ernährung können dazu beitragen, dass das Wachstum der Haare ins Stocken gerät.
Wie schnell die Haare wachsen ist zwar genetisch vorprogrammiert, hat aber nichts mit der Haarfarbe zu tun. Da dunkle Haare aber oftmals etwas dicker sind und nicht so schnell abbrechen, kann allerdings der Eindruck entstehen, dass dunkelhaarige Menschen einen aktiveren Haarwuchs haben. Ein weitverbreiteter Mythos ist auch, dass das Spitzenschneiden das Wachstum der Haare ankurbelt. Die regelmäßige Kürzung des Haares sorgt aber dafür, dass die Haarspitzen gesünder sind und das Haar voller wirkt.
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Was lässt Haare schneller wachsen?
Auch wenn das individuelle Haarwachstum vor allem durch die Gene bestimmt wird, so ist das kein Grund den Kopf in den Sand zu stecken. Im Gegenteil: es gibt vielfältige Möglichkeiten gesundes Haarwachstum zu unterstützen. Wir haben die besten Tipps einmal für dich zusammengefasst:
Iss bunt und gesund
Da der „lebendige“ Teil des Haares, die Haarwurzel, unter der Kopfhaut verborgen ist, beginnt gesundes Haar vor allem von innen heraus. Wer sich gesund ernährt, liefert den Haaren vielfältige Bausteine, die für das Haarwachstum gebraucht werden. Proteine und Biotin beispielsweise sind für den Aufbau der Haarsubstanz Keratin essenziell, während Eisen den Sauerstofftransport unterstützt. Vitamin A und D wiederum sind für die Zellteilung und somit für die Aktivität der Haarmatrix von Bedeutung. Zink und Vitamin C unterstützen die Zellregeneration und helfen oxidativen Stress zu reduzieren. Letzterer scheint sich negativ auf die Vitalität der Haarfollikel auszuwirken und kann Entzündungen fördern.
Versorge dein Haar mit ausreichend Feuchtigkeit
Wasser ist essenziell für viele Körperfunktionen – auch für das Haarwachstum. Eine gute Flüssigkeitsversorgung unterstützt die Zirkulation von Nährstoffen. Zudem unterstützt eine ausreichende Feuchtigkeitsversorgung die Kopfhaut und kann so Trockenheit und Schuppenbildung vorbeugen und die Haarstruktur stärken. Dehydrierung kann das Haarwachstum verlangsamen und das Haar brüchig und stumpf erscheinen lassen.
Verzichte auf Alkohol und Zigaretten
Alkohol und Nikotin können eine negative Wirkung auf das Haarwachstum haben. Alkohol kann dem Körper wichtige Nährstoffe entziehen, die für kräftige Haare essenziell sind, während Nikotin die Durchblutung der Kopfhaut verschlechtert. Eine schlechte Durchblutung bedeutet, dass die Haarfollikel weniger Sauerstoff und Nährstoffe erhalten, was das Wachstum hemmen kann. Zudem begünstigt Rauchen oxidativen Stress, der die Haarfollikel schädigen und Haarausfall fördern kann.
Behalte deine Gesundheit im Blick
Erkrankungen der Schilddrüse, die Einnahme bestimmter Medikamente oder Autoimmunerkrankungen können das Haarwachstum hemmen. Nutze daher Vorsorgetermine, um deine Gesundheit im Blick zu behalten und erkrankungsbedingtem Haarverlust vorzubeugen. Nimmst du regelmäßig Medikamente ein und hast das Gefühl, das sich diese ungünstige auf deine Haare auswirken, sprich mit einer Expertin oder einem Experten über mögliche Alternativen.
Prüfe bei gestörtem Haarwachstum, ob die Hormone eine Rolle spielen
Hormone beeinflussen das Haarwachstum erheblich. Veränderungen während der Pubertät, der Schwangerschaft bzw. nach der Entbindung oder in den Wechseljahren können das Wachstum positiv oder negativ beeinflussen. Dihydrotestosteron (DHT), ein Abbauprodukt des Testosterons, kann das Haarwachstum bremsen und sogar Haarausfall verursachen. Vermutest du, dass hormonelle Störungen dein Haarwachstum hemmen, empfiehlt sich die Rücksprache mit deiner Ärztin oder deinem Arzt. Diese:r kann dann eine entsprechende Behandlung einleiten.
Schenke deiner Kopfhaut Aufmerksamkeit
Eine gesunde, gut durchblutete Kopfhaut ist entscheidend für normales Haarwachstum. Sie bildet eine schützende Barriere gegenüber externen Einflüssen wie bspw. UV-Strahlung. Mit einer täglichen Kopfmassage kannst du die Durchblutung fördern und gleichzeitig Spannungen lösen und Stress mindern. Regelmäßige Kopfhautpeelings auf Basis natürlicher Inhaltsstoffe können dies zusätzlich unterstützen.
Pflege deine Haare auf sanfte Weise
Achte bei der Auswahl deiner Pflegeprodukte darauf, dass diese keine reizenden Inhaltsstoffe enthalten, welche die Kopfhaut unnötig belasten oder Schuppenbildung fördern. Außerdem hat es sich bewährt, die Haare an der Luft trocknen zu lassen. Die heiße Luft des Föhns kann die Kopfhaut nämlich austrocknen. Ähnliches gilt für die Wassertemperatur beim Haarewaschen. Wer mit lauwarmem statt heißem Wasser die Haare wäscht, hilft die Feuchtigkeit und Fette der Kopfhaut zu bewahren. Diese sind wichtig, um die Haare vor Umwelteinflüssen zu schützen. Gleichzeitig glättet eine eher kalte Haarwäsche die Haarstruktur und unterstützt die Durchblutung der Kopfhaut. Kontraproduktiv für gesundes Haar sind hingegen chemische Behandlungen wie Bleichen, Färben oder Dauerwellen. Auch übermäßiges Bürsten und Hitzestylings können die Haare auf Dauer schädigen und zu vermehrtem Haarbruch führen.
Setze auf lässige Frisuren
Neben der Pflegeroutine kannst du auch durch die Wahl der richtigen Frisur das Haarwachstum unterstützen und Haarbruch sowie Haarausfall reduzieren. Locker sitzende Zöpfe stressen die Haare weitaus weniger als straffe Frisuren, die stark am Haar ziehen. Auch ein regelmäßiger Wechsel der Frisur kann hier hilfreich sein.
Entspann dich
Chronischer Stress kann das Haarwachstum beeinträchtigen, da er hormonelle Ungleichgewichte verursachen kann, die die Wachstumsphase der Haare verkürzen und vermehrten Haarausfall auslösen können. Zudem kann Stress zu einer schlechteren Nährstoffaufnahme und Durchblutung führen, was sich ebenfalls negativ auf das Haarwachstum auswirkt. Techniken wie Yoga, Meditation oder regelmäßige Bewegung helfen, Stress abzubauen und so das Wachstum zu fördern.
Geduld ist der Schlüssel
Auch wenn es zahlreiche Möglichkeiten gibt, das Haarwachstum zu unterstützen, brauchen sichtbare Veränderungen Zeit. Mit einer ausgewogenen Lebensweise, gezielter Pflege und einer positiven Einstellung lässt sich aber oftmals einiges erreichen, so dass sich der Einsatz auf lange Sicht lohnt.
Wenn du dich für spezielle Produkte interessierst, die gezielt das Haarwachstum anregen sollen, lies auch unseren Beitrag zum Thema „Haarwuchsmittel“. Darin stellen wir dir neben Hausmitteln und natürlichen Haarwuchsmitteln auch Arzneimittel vor, die sich bei verschiedenen Formen des Haarausfalls bewährt haben.