Der wertvolle Beitrag einer guten Vitamin-D-Versorgung zur Gesundheit ist bekannt - und schon kurze Sonnenbäder kurbeln die Vitamin-D-Produktion an. Dermatolog:innen warnen jedoch vor der Wirkung der energiereichen Sonnenstrahlung auf die Haut – und raten zu einem umfassenden Sonnenschutz. Gleichzeitig entdecken Forschende immer mehr Wirkungen des Sonnenlichts im Körper, die über die Bildung von Vitamin D hinausgehen. Kann man zu wenig Sonne bekommen?
Braun ist die Vorstufe von faltig
Dass Sonnenlicht die Haut altern lässt, gilt heute als gesichert. Schätzungen zufolge gehen rund 80 Prozent der sichtbaren Hautalterung – etwa Falten oder Pigmentflecken – auf langjährige Sonneneinstrahlung zurück. Verantwortlich sind vor allem ultraviolette Strahlen. UV-B-Strahlung besitzt mehr Energie und kann Sonnenbrand auslösen. Sie verursacht auch Schäden am Erbgut der Hautzellen und erhöht dadurch das Risiko für Hautkrebs. UV-A-Strahlung ist etwas energieärmer, dringt dafür tiefer in die Haut ein und schädigt vor allem das Bindegewebe. Das fördert die Faltenbildung. Moderne Sonnencremes schützen sowohl vor UV-A- als auch UV-B-Strahlung.
Fensterscheiben fangen schädliche UV-B-Strahlung ab, sie schützen also zuverlässig vor Sonnenbrand. UV-A-Strahlung kommt aber zu 60 Prozent durch – und trägt zur Faltenbildung bei. Ausnahme sind die laminierten Windschutzscheiben im Auto, sie enthalten einen UV-A-Filter.
Sonne hilft Herz und Kreislauf
Gleichzeitig wird das Bild komplizierter. Mehrere große epidemiologische Studien weisen darauf hin, dass Menschen mit regelmäßiger Sonnenexposition ein geringeres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und eine niedrigere Gesamtsterblichkeit haben. Eine bekannte Langzeitstudie aus Schweden mit rund 30 000 Frauen kam zu dem Ergebnis, dass starke Sonnenvermeidung mit einer ähnlich verkürzten Lebenserwartung verbunden war wie Rauchen. Die Forschenden vermuten mehrere Ursachen. Sonnenlicht regt beispielsweise die Freisetzung gefäßerweiternder Botenstoffe wie Stickstoffmonoxid an, die den Blutdruck senken können. Außerdem beeinflusst es das Immunsystem und Prozesse des Zellwachstums. Diese Effekte treten teilweise unabhängig von Vitamin D auf.
Ein weiterer Forschungsbereich beschäftigt sich mit langwelliger Infrarotstrahlung. Sie gehört ebenfalls zum Sonnenlicht und dringt tiefer in den Körper ein als UV-Strahlung. Erste Studien deuten darauf hin, dass diese Strahlung Stoffwechselprozesse in Zellen beeinflussen kann. Die Forschung dazu steckt jedoch noch in den Anfängen.
Was Du unbedingt lassen solltest
Dermatolog:innen sehen nicht nur die Menge der Sonne als Problem, sondern auch das Muster der Exposition. Besonders riskant ist der abrupte Wechsel zwischen langer Sonnenabstinenz und intensiver Bestrahlung, etwa bei einem Winterurlaub in südlichen Ländern. In solchen Situationen hat die Haut zu wenig Zeit, ihre natürlichen Schutzmechanismen aufzubauen. Wer in eine andere Klimazone reist, muss sich darum besonders sorgfältig schützen.
Notfalls: Reparatur
UV-Schäden sind nicht komplett vermeidbar, daher ist es wichtig, die Reparaturmechanismen des Körpers zu unterstützen. Verschiedene Mikronährstoffe wie beispielsweise Vitamin A (Retinol) sind wichtig für Reparaturprozesse in Hautzellen. Andere Mikronährstoffe wie die Vitamine C und E wirken als Antioxidanzien. Sie helfen, aggressive Sauerstoffverbindungen zu neutralisieren, die unter UV-Strahlung entstehen.
Fazit
UV-Strahlung erhöht das Risiko für Hautalterung und Hautkrebs. Völlige Sonnenvermeidung kann sich allerdings negativ auf die Gesundheit und die Sterblichkeit auswirken. Für Dich heißt das: Maßvoll die Sonne genießen und ausgewogen essen, um alle Nährstoffe für Schutz und Reparaturmechanismen zu liefern, ist der richtige Mittelweg.
Lindqvist PG et al. Avoidance of sun exposure as a risk factor for all-cause mortality. Journal of Internal Medicine (2014).
Krutmann J. et al. The role of UVA in skin aging. Journal of Dermatological Science (2017).
Liu D. et al. UVA irradiation of human skin vasodilates arterial vasculature and lowers blood pressure. Journal of Investigative Dermatology (2014).