Zellschutz
Zellen gelten als kleinste Einheiten des Lebens. Alles Leben baut auf ihnen auf – von einzelligen Lebewesen wie Bakterien über Pflanzen und Tiere bis hin zu uns Menschen: Jedes Gewebe, jedes Organ setzt sich aus Zellen zusammen. Insgesamt sind es im menschlichen Körper zigbillionen dieser fundamentalen biologischen Organisationseinheiten, die dafür sorgen, dass alle Körpersysteme funktionieren: Abwehrzellen bekämpfen Krankheitserreger, Nervenzellen übertragen Informationen, Muskelzellen machen es möglich, dass wir uns fortbewegen können. Über 200 verschiedene Zelltypen gibt es im menschlichen Organismus.
Unsere Gesundheit ist maßgeblich davon abhängig, dass die lebensnotwendigen Prozesse, die in unseren Zellen ablaufen, reibungslos vonstattengehen. Dafür ist es wichtig, dass sie stets gut mit all den Nährstoffen versorgt sind, die sie für eine normale Funktion benötigen. Allerdings gibt es zahlreiche innere und äußere Einflüsse, die die Zellgesundheit und Zellfunktion beeinträchtigen können – angefangen bei Alterungsvorgängen über freie Radikale bis zu stillen Entzündungen. In der Lebenswelt Zellschutz möchten wir Dich näher vertraut machen mit diesen faszinierenden Grundeinheiten des Körpers. Wir erklären Dir, wie Körperzellen aufgebaut sind, was es mit Zellgesundheit, Zellregeneration und Zellerneuerung auf sich hat und wie Du zum Schutz der Zellen vor negativen Einwirkungen wie oxidativem Stress oder den Folgen natürlicher Alterungsprozesse beitragen kannst. Hier findest Du wertvolle Tipps für das Wohlbefinden bis ins hohe Alter.
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Zellschädigungen
Wenn wir über Zellschutz sprechen, stellt sich natürlich zuerst die Frage, was die Zellen überhaupt schädigen kann. Grundsätzlich sind Zellen darauf ausgelegt, ihren optimalen Funktionszustand aufrechtzuerhalten und sich an Veränderungen durch physiologische oder pathologische Reize anzupassen. Allerdings kann es dabei zu Veränderungen der Zellstrukturen oder -funktionen kommen, die die Zelle schädigen können – bis hin zu irreversiblen Zellschäden, die zum Zelltod führen. Mögliche Ursachen für Zellschädigungen sind:
- Mikronährstoffdefizit
- Ungesunde Ernährung
- Sauerstoffmangel
- Umweltschadstoffe
- Medikamente
- Infektionen
- Immunologische Reaktionen
- Infektionen
- Genetische Defekte
- Strahlung
- Mechanische Traumata
- extreme Temperaturen
- Alterungsvorgänge
Zellregeneration und Zellerneuerung
Dass Körperzellen absterben, ist erstmal völlig normal. Pro Tag sterben bei Erwachsenen etwa 50 bis 70 Milliarden Zellen. Das ist auch kein Grund zur Sorge, da unser Körper die Fähigkeit zur Zellregeneration besitzt. Er ist in der Lage, abgestorbene Zellen durch neue zu ersetzen. Die Neubildung von Zellen, die sogenannte Zellproliferation, geschieht durch Zellteilung und Zellwachstum, bei dem die geteilten Zellen auf ihre genetisch bestimmte Größe heranwachsen.
Tatsächlich findet im gesamten Organismus eine permanente Regeneration statt, da alle Zellen nur eine gewisse Lebensdauer haben. Diese kann von Zellart zu Zellart sehr unterschiedlich sein. Während manche Zellen, z. B. im Dünndarm oder im Magenausgang im Durchschnitt keine zwei Tage leben, können es bei spezialisierten Epithelzellen in der Leber oder der Schilddrüse mehr als 200 Tage sein. Knochenzellen leben sogar erstaunliche 25 bis 30 Jahre.
Vielleicht hast Du schon einmal vom Sieben-Jahres-Mythos gehört, wonach wir alle sieben Jahre einen neuen Körper besitzen sollen. Dies ist so nicht korrekt, da sich manche Zellen wie bestimmte Herzmuskelzellen und Nervenzellen im Gehirn nicht teilen können. Grundsätzlich sinkt die Regenerationsfähigkeit der Zellen mit zunehmender Differenzierung. Doch auch mit dem Alter nimmt die Fähigkeit zur Regeneration und Selbstreparatur ab. Das hast Du wahrscheinlich schon bei der Wundheilung beobachtet, die bei Kindern viel schneller geht als bei Erwachsenen.
Zellalterung
Problematisch wird es, wenn die Zellen in eine Phase der Zellalterung eintreten, die dadurch gekennzeichnet ist, dass sie aufhören sich zu teilen. Bei normalen menschlichen Zellen ist das im Schnitt nach ca. 50 Zellteilungen der Fall. Dieses biologische Phänomen wird auch als Seneszenz (von lateinisch senescere = „altern“) bezeichnet.
Seneszente Zellen sind zwar noch lebendig, befinden sich aber quasi im Altersruhestand. Problematisch daran ist, dass geschädigtes Gewebe nicht mehr richtig repariert werden kann und die sogenannten „Zombie-Zellen“ auch nicht mehr einwandfrei funktionieren. So können sie möglicherweise den Alterungsprozess beschleunigen und an altersbedingten Erkrankungen beteiligt sein.
Eine entscheidende Rolle bei der Zellalterung spielen die Enden der Chromosomen, die sogenannten Telomere. Damit sich eine Zelle teilen kann, muss sie zunächst ihre Erbinformationen duplizieren (DNA-Replikation). Diese befindet sich in der DNA der Chromosomen im Zellkern der Zelle. Dabei verkürzen sich die Chromosomenenden mit jeder Zellteilung.
Schutzfunktion der Telomere
Die Telomere beinhalten keine Bauanweisungen für den Organismus, sondern dienen als „Schutzkappen“, die die chromosomale DNA vor Abbau schützen. Sobald die von ihnen geschützten Gene geschädigt werden könnten, hört die Zelle auf sich zu teilen. Das Ausmaß des Telomerverschleißes entscheidet also darüber, ob eine Zelle in die Seneszenz übergeht. Somit gilt die Länge der Telomere auch als Biomarker für Dein biologisches Alter.
Ergebnisse im Forschungsfeld der Telomerverlängerung durch Enzyme wie Telomerase, bestimmte Lebensmittel, Nähr- und Wirkstoffe oder Maßnahmen wie Sport oder Meditation werden in Zukunft sicher Licht ins Dunkel bringen, wie wir unsere Zellen dahingehend schützen und unseren Alterungsprozess positiv beeinflussen können.
Zellstress
Ein weiterer wesentlicher Faktor, der unsere Zellgesundheit negativ beeinflussen kann, ist oxidativer Stress. Dieser kann zahlreiche Zellstrukturen schädigen, weshalb er umgangssprachlich auch Zellstress genannt wird. Oxidativer Stress tritt auf, wenn es viele freie Radikale im Körper gibt. Diese können z. B. als Zwischenprodukte unseres Stoffwechsels anfallen oder durch äußere Faktoren wie Umweltgifte, Zigarettenrauch oder UV-Strahlung entstehen. Daher ist zum Schutz der Haut vor Erkrankungen und vorzeitiger Alterung auch immer ein ausreichender Sonnenschutz wichtig.
Freie Radikale sind Moleküle oder Atome mit einem ungepaarten Elektron, die sehr reaktionsfreudig sind. Sie verbinden sich schnell mit Molekülen, die für den Zellstoffwechsel essenziell sind. Das können z. B. Proteine, Fettsäuren (Lipide), und Nukleinsäuren sein. Dadurch verändern sich die Moleküle, wodurch sie nicht nur ihre eigentliche Funktion verlieren, sondern Schäden anrichten können, wenn das biochemische System der Zellen nicht mehr richtig funktioniert.
Zum Zellschutz vor freien Radikalen und oxidativem Stress kommen Antioxidantien ins Spiel. Sie sind in der Lage, eine chemische Reaktion mit den freien Radikalen einzugehen und sie dadurch zu neutralisieren. Zu den bedeutenden Antioxidantien im Körper zählen z. B. Vitamin C, Vitamin E, Vitamin B2 und Zink. Daneben weisen auch zahlreiche sekundäre Pflanzenstoffe wie Carotinoide und Flavonoide antioxidative Eigenschaften auf.
Zellreparatur und Zellreinigung
Wie Du siehst, gibt es Faktoren, die die Zellen aus ihrem natürlichen Gleichgewicht bringen können. Zum Glück verfügt unser Körper über ausgeklügelte Reparatur- und Reinigungsmechanismen zum Zellschutz. Während eines einzelnen Zellteilungszyklus kommt es zu 120.000 Replikationsfehlern. Um auf DNA-Schäden durch solche Kopierfehler oder die bereits erwähnten aggressiven Moleküle und schädlichen Strahlen zu reagieren, hat er spezielle Verfahren zur Zellreparatur entwickelt. So gibt es beispielsweise ein Enzym zur DNA-Reparatur, das beschädigte Teile eines DNA-Stranges austauschen und ersetzen kann.
Auch für die Zellreinigung gibt es im Körper einen speziellen Prozess, die sogenannte Autophagie. Sie ist für die Erhaltung der zellulären Homöostase und damit für die Zellgesundheit von großer Bedeutung. Vereinfacht gesagt handelt es sich dabei um ein Putzprogramm der Zellen, bei dem der Körper unter anderem geschädigte, nicht mehr funktionsfähige Proteine oder andere Zellbestandteile recycelt.
Folglich wird die Autophagie auch immer wieder mit den Themen Verjüngung, Anti-Aging und Longevity in Zusammenhang gebracht. Das Spannende ist, dass Forschungen darauf hindeuten, dass sich die Autophagie anregen lässt, z. B. durch Fasten. Auch natürliche Stoffe, wie das im Körper sowie in bestimmten Lebensmitteln wie Weizenkeimlingen vorkommende Spermidin, sollen die Autophagie zum Zellschutz fördern.
7 Tipps zum Zellschutz
Mit zunehmendem Alter wird das Thema Zellschutz immer bedeutender, da der Körper nicht mehr so gut in der Lage ist, Zellen zu reparieren und neue Zellen zu bilden. Dabei geht es nicht nur um die weitverbreitete Suche nach einem Anti-Aging Geheimnis. Viel entscheidender als der Wunsch nach schöner Haut, jugendlichem Aussehen und Vitalität im Alltag ist der gesundheitliche Aspekt.
Zum Alterungsprozess gehört z. B. das Altern des Immunsystem (Immunoseneszenz) und das Entzündungsaltern (inflammaging), das sich durch eine erhöhte Ausschüttung von entzündungsfördernden Botenstoffen gekennzeichnet ist. Durch die nachlassende Regenerationsfähigkeit und eine Zunahme von Zellschäden und nicht mehr teilungsfähigen Zellen erhöht sich auch das Risiko für altersbedingte Krankheiten. Daher ist es nicht nur für Senior:innen sinnvoll, sich mit aktiv um den Zellschutz zu kümmern. Mit folgenden Tipps kannst Du ganz einfach zur Zellgesundheit beitragen:
- Achte auf eine gezielte Nährstoffversorgung: Defizite in der Versorgung mit Vitaminen und Mineralstoffen, aber auch mit Coenzym Q10 und Omega-3-Fettsäuren können den Ablauf zellulärer Prozesse beeinträchtigen.
- Unterstütze den Körper mit Antioxidantien: Antioxidative Stoffe wie Vitamin C, Vitamin E, Zink und Selen können nachweislich dazu beitragen, die Zellen vor oxidativem Stress zu schützen.
- Entscheide Dich für eine abwechslungsreiche Ernährung: Empfehlenswert mit Blick auf Zellschutz und Healthy Aging ist z. B. eine mediterrane Ernährung, die reich ist an wichtigen Proteinen, gesunden Fetten und Gemüse mit natürlichen Antioxidantien und wertvollen sekundären Pflanzenstoffen.
- Entwickle eine gesunde Lebensweise: Regelmäßige und ausreichende Bewegung hält den Stoffwechsel in Gang und beugt dem körperlichen sowie dem geistigen Abbau vor.
- Stärke Deine Abwehrkräfte: Krankheitserreger wie Viren und Bakterien können Entzündungsreaktionen im Körper hervorrufen, die die Zellen schädigen können. Was Du für eine gute Immunabwehr tun kannst, verraten wir Dir in unserem Beitrag: Immunsystem stärken.
- Schütze Dich ausreichend vor UV-Strahlung: Zu einem umfassenden Schutz gehören Sonnenschutzmittel mit ausreichendem Schutzfaktor und bei hohem UV-Index auch entsprechende Körper- und Kopfbedeckung und Sonnenbrille.
- Reduziere Schadstoffe im Alltag: Von pestizidbelastetem Gemüse über Chemikalien in neu gekaufter Kleidung bis zu Wohngiften wie zu Schimmel oder Feinstaub an stark befahrenen Straßen lauern überall potenzielle Umweltgifte, die Du mit entsprechendem Verhalten reduzieren kannst. Auch Genussgifte wie Alkohol und Nikotin schaden Dir – hier kannst Du besonders leicht Deine Schadstoffbelastung reduzieren.
Was sind freie Radikale? Hier findest Du Tipps, um Dich vor freien Radikalen zu schützen und sie zu bekämpfen.
Freie Radikale
Was ist oxidativer Stress? Hier findest Du Tipps, wie sich oxidativer Stress verringern lässt.
Oxidativer Stress