Schwarzkümmelöl: Wofür? Wie viel? Welche Funktion? Was beachten?
Seit Tausenden von Jahren wird die ursprünglich aus Asien stammende Schwarzkümmelpflanze traditionell als Heilmittel für verschiedene Beschwerden eingesetzt. Die Forschung befasst sich unter anderem mit einem möglichen Einfluss des Schwarzkümmelöls auf Allergien, Entzündungen und eine gesunde Haut. Die vielversprechenden Hinweise müssen allerdings noch durch weitere Untersuchungen untermauert werden.
Was ist Schwarzkümmelöl?
Schwarzkümmelöl wird aus den Samen des Schwarzkümmels hergestellt. Die einjährige Pflanze aus der Familie der Hahnenfußgewächse trägt den wissenschaftlichen Namen Nigella sativa. Das Kraut kommt ursprünglich aus Asien, lässt sich aber auch im Mittelmeerraum und in Mitteleuropa kultivieren. Auch wenn der Name es vermuten lässt, ist der Schwarzkümmel botanisch nicht mit Echtem Kümmel sowie mit Kreuzkümmel verwandt.
Zur Herstellung des Öls aus Schwarzkümmel werden die schwarzen, dreikantigen Samen zunächst getrocknet und dann kaltgepresst. Ungefiltert ist das Öl dickflüssig und dunkel. Nach dem Herausfiltern der Trüb- und Schwebstoffe bekommt das Öl eine goldgelbe Farbe und einen ausgewogeneren Geschmack im Vergleich zum ungefilterten Produkt.
Zu den Inhaltsstoffen von kaltgepresstem Schwarzkümmelöl zählen ungesättigte Fettsäuren wie Linolsäure, Ölsäure, Alpha-Linolensäure und gesättigte Fettsäuren wie Palmitinsäure. Außerdem punktet es unter anderem mit Vitaminen wie Vitamin E und verschiedenen B-Vitaminen (Vitamin B1, Niacin und Folsäure) sowie den Mineralstoffen Kalzium und Magnesium. Zudem sind ätherische Öle in den Samen und dem daraus gewonnenen Öl enthalten. Einer der Hauptbestandteile dieser flüchtigen Extrakte ist der sekundäre Pflanzenstoff Thymochinon, auch Thymoquinon genannt.
Interessante Fakten zu Schwarzkümmelöl
- Rasselnde Samenkapseln sind reif für die Ernte
Schwarzkümmel kann auch in warmen und trockenen Lagen in Deutschland wachsen. Der Landwirt erkennt den optimalen Erntezeitpunkt, wenn die Kapseln und die darin befindlichen querrunzligen Samen braun sind. Außerdem rasseln die Kapseln beim Berühren. Zum Abernten ist eine hohe Drehzahl in der Dreschtrommel erforderlich. Die Samen haben eine sehr harte Schale und gehen dabei nicht zu Bruch. - Thymochinon als mögliches neue „Antibiotikum“?
Bei häufig verwendeten Antibiotika kann es passieren, dass bestimmte Bakterien gegen die Wirkstoffe resistent werden – ein bekanntes Problem in der Medizin, weswegen Antibiotika nur eingenommen werden sollten, wenn es unbedingt erforderlich ist. Der Hauptbestandteil des ätherischen Öls des Schwarzkümmels Thymochinon hat jedoch auch eine Wirkung auf Mikroorganismen. Forschende hoffen daher, ihn für die Entwicklung neuer Medikamente einsetzen zu können. Besonders viel Thymochinon mit bis zu 32 Prozent kann aus dem ätherischen Öl der Wilden Bergamotte gewonnen werden. - Mehr Wirkstoff durch Erhitzen der Samen
Ein traditioneller Schritt bei der Gewinnung von Schwarzkümmelöl ist das Rösten der Samen. Forschende haben in Studien untersucht, ob dieser Schritt verzichtbar wäre. Es hat sich jedoch gezeigt, dass eine kontrollierte Erhitzung der Samen bei Temperaturen zwischen 50 bis 100 Grad Celsius zu einer Anreicherung des wertvollen Thymochinons im Schwarzkümmelöl führte.
Es gibt zwei Methoden, aus Samen Öl zu gewinnen, die Kaltpressung und die Raffination. Bei der Kaltpressung wird durch Druck bei niedrigen Temperaturen das Öl aus den Samen gewonnen. Beim Raffinieren sind hohe Temperaturen und Chemikalien notwendig. Dabei gehen unter Umständen nützliche Bestandteile verloren, während unerwünschte Substanzen entstehen. Aus diesen Gründen gelten kaltgepresste Öle als ernährungsphysiologisch ausgewogener.
Aufgaben und Funktionen: Wofür braucht der Körper Schwarzkümmelöl?
Schwarzkümmelöl enthält mehrfach ungesättigte Fettsäuren, wie Linolsäure und alpha-Linolensäure. Diese Fettsäuren sind essenziell, da sie der Körper nicht selbst herstellt und auf eine Zufuhr von außen angewiesen ist. Ungesättigte Fettsäuren beeinflussen den Körper positiv, indem sie zum Beispiel den Blutdruck regulieren. Außerdem wirken sie entzündungshemmend und helfen, den Cholesterinspiegel im Körper zu senken.
In präklinischen Studien, die den klinischen Studien am Menschen vorausgehen, zeigen Bestandteile von Schwarzkümmel antioxidative, antiparasitäre und entzündungshemmende Effekte. Antioxidantien sind Moleküle, die den Körper vor einer zu hohen Anzahl an schädlichen Stoffwechselprodukten, den sogenannten freien Radikalen, schützen, indem sie diese neutralisieren.
Einige klinische Untersuchungen mit Schwarzkümmelöl befassen sich mit der Heilwirkung auf allergische Erkrankungen, wie Heuschnupfen, Asthma und Ekzeme der Haut. Erste Ergebnisse deuten an, dass Schwarzkümmelöl bei Allergikern die Therapie als nützliches Hilfsmittel unterstützen kann.
Schwarzkümmelöl ist auch Gegenstand der Forschung im Zusammenhang mit dem metabolischen Syndrom. Damit ist das gleichzeitige Auftreten von Störungen des Fettstoffwechsels und der Glukosetoleranz, in Kombination mit Übergewicht und einem erhöhten Blutdruck gemeint. Bisher sind die Ergebnisse aber nicht eindeutig und lassen daher noch keinen Schluss zu, dass das Öl sich positiv auf das Syndrom auswirkt und zum Abnehmen geeignet ist.
Die Wissenschaft befasst sich auch mit einer möglichen Wirkung von Schwarzkümmelöl auf Autoimmunkrankheiten, bei denen die Haut betroffen ist. Dazu zählen beispielsweise die Weißfleckenkrankheit (Vitiligo) oder Neurodermitis. Hier ist die Datenlage noch zu gering, um eindeutige Aussagen treffen zu können. Erste positive Ergebnisse ergaben sich bei einer äußerlichen Anwendung des Schwarzkümmelöls bei Menschen mit Vitiligo.
Hättest Du das über Schwarzkümmelöl gewusst?
- Brotgewürz auf Fladenbrot
Die dunklen Körner auf Fladenbrot sind reife Samen des Schwarzkümmelkrauts – und geben dem Brot eine besondere Note. Daher werden die Samen manchmal auch als „Brotwurz“ bezeichnet. Die Samen haben einen charakteristischen Geruch, der an eine Mischung aus Anis, Oregano und Muskat erinnert. Im ersten Moment schmecken die Samen schwach bitter, dann scharf mit süßlichem und nussigem Beigeschmack. - Die Heilkraft von Schwarzkümmel – beschrieben in den Weltreligionen
Bereits die Bewohner:innen des „Alten Ägyptens“ gewannen Öl aus Schwarzkümmelsamen. Eine Flasche des „Goldes der Pharaonen“ fand sich als Grabbeigabe des bekannten Königs Tutanchamun. Die Heilwirkung des Öls ist auf Papyrusrollen festgehalten. Auch in der Bibel ist Schwarzkümmel erwähnt. Er wurde damals (wie heute noch) auf Fladenbrot gestreut und sollte gegen Blähungen, Atembeschwerden und Würmern im Darm helfen. In islamischen Schriften weist der Prophet Mohammed auf die heilende Wirkung der schwarzen Samen hin. - Schwarzkümmel – ein traditionsreiches Heilmittel
Für die Menschen im arabischen Raum gelten die Samen der Schwarzkümmelpflanze heute noch als eines der wichtigsten Gewürze. In früheren Jahrhunderten gab es die unterschiedlichsten Anwendungsgebiete für die Samen und das daraus gewonnene Öl. Dazu zählten beispielsweise Erkältungen, Ohren- und Zahnschmerzen, Magen-Darm-Probleme, Milchbildung nach der Geburt, Schweißhemmung und Wurmbefall.
Tagesbedarf: Wie viel Schwarzkümmelöl am Tag?
Derzeit existieren keine verbindlichen Angaben zur Dosierung von Schwarzkümmelöl. Da der Körper es nicht zwingend benötigt und es ein Lebensmittel und kein Nährstoff ist, gibt es keinen festen Tagesbedarf.
Die bisherigen klinischen Studien weisen jedoch auf eine empfehlenswerte Tagesdosis von bis zu drei Gramm Schwarzkümmelsamen oder dem daraus gewonnenen Öl hin. Bei Nahrungsergänzungsmitteln mit Schwarzkümmel hilft eine Angabe des Gehalts an Thymochinon bei der Auswahl. Laut den momentanen Erkenntnissen ist eine Tagesdosis von bis zu 30 Milligramm Thymochinon sinnvoll.
Wie kannst Du Schwarzkümmelöl einnehmen, wenn Du Deine Ernährung damit ergänzen möchtest? Beim Kauf des Öls sollte es sich um kaltgepresstes Schwarzkümmelöl handeln. Die empfohlene Tagesdosis von bis zu drei Gramm ist etwa ein Teelöffel Öl. Es kann zum Beispiel Deinen Salaten oder Bowls eine interessante Note geben.
Schwarzkümmelöl richtig verwenden
Schwarzkümmelöl verträgt keine hohen Temperaturen, da es einen niedrigen Rauchpunkt hat. Zum Braten oder Frittieren sind nur Öle geeignet, die einen Rauchpunkt von mindestens 180 Grad Celsius haben. Wenn der Rauchpunkt überschritten wird, fängt das Öl an zu rauchen – dabei können für die Gesundheit bedenkliche Substanzen entstehen.
Daher ist das hitzelabile Schwarzkümmelöl nicht zum Braten geeignet, sondern ausschließlich zum kalten Verzehr, bspw. zum Verfeinern von Salatdressings, Brotaufstrichen und Dips. Es kann auch den Geschmack von Speisen wie Currys und Hülsenfrucht-Gerichten abrunden, wenn es nach dem Erhitzen hinzugefügt wird. Nach dem Öffnen einer Flasche mit Schwarzkümmelöl solltest Du sie dunkel und kühl lagern und das Produkt innerhalb von etwa drei Monaten verbrauchen.
In den Samen des Schwarzkümmels stecken bis zu 2,5 Prozent ätherische Öle mit den Leitsubstanzen p-Cymol, Thymochinon und alpha-Thujen. Bei diesen Stoffen handelt es sich um flüchtige, organische Substanzen, den (Mono)Terpenen. Pflanzen produzieren sie natürlicherweise als Hauptkomponenten ihrer ätherischen Öle. Sie sorgen unter anderem für den charakteristischen Duft und tragen dazu bei, Fressfeinde abzuwehren oder auch Bestäuber anzulocken.
Überdosierung mit Schwarzkümmelöl
Beim Verzehr von Samen des Schwarzkümmels oder dem daraus gepressten Öl in einer üblichen Menge treten normalerweise keine schädlichen Effekte auf. Wie bei allen Naturstoffen kann es Menschen geben, die bei oraler Einnahme der Schwarzkümmelsamen oder des Öls mit einer Allergie auf die Inhaltsstoffe reagieren.
Insbesondere bei einer Überdosierung sind zum Beispiel Reaktionen wie Übelkeit oder Juckreiz der Haut möglich. Welche Konzentrationen als Überdosis gelten, ist nicht bekannt.
Mögliche Nebenwirkungen bei der äußerlichen Anwendung des Öls auf die Hautoberfläche sind allergische Reaktionen der Haut, wie bei einer Kontakt-Dermatitis.
Mitunter wird Schwarzkümmel im Zusammenhang mit einer leberschädigenden Wirkung diskutiert, da es in einzelnen Tiermodellversuchen zu Schäden an Leber und Nieren kam. Der genaue Wirkmechanismus ist noch nicht abschließend geklärt. Die Dosierungen waren jedoch extrem hoch. Es liegen keinerlei Daten zu einem potenziell leberschädigenden Einfluss bei Menschen vor.
Bei regelmäßiger Einnahme von Schwarzkümmelöl und Arzneimitteln kann es in manchen Fällen zu unerwünschten Nebenwirkungen kommen. Denn Laborversuche deuten an, dass Substanzen des Schwarzkümmels Einfluss auf bestimmte Enzyme (sog. Cytochrom-P450-Proteine) haben können. Diese Enzyme sind wiederum daran beteiligt, Medikamente wie zum Beispiel bestimmte Antidepressiva, Neuroleptika oder blutdrucksenkende Mittel zu verstoffwechseln. Wenn Du viele Schwarzkümmelpräparate zu Dir nimmst und gleichzeitig regelmäßig solche Medikamente, solltest Du daher sicherheitshalber Deinen Arzt oder Deine Ärztin darauf ansprechen.
Schwarzkümmelöl: Darreichungsformen
Wenn Du Deine Ernährung mit Schwarzkümmelöl ergänzen möchtest, kannst Du entweder kaltgepresstes Schwarzkümmelöl oder Nahrungsergänzungsmittel zum Einnehmen verwenden. Letztere bieten sich an, wenn Du den kräftigen Geschmack des Öls nicht magst. Als Darreichungsform gibt es im Handel beispielsweise Kapseln. Mitunter sind neben dem Öl der schwarzen Samen auch andere Mikronährstoffe enthalten. Wichtig ist, dass die lateinische Bezeichnung des Schwarzkümmels, Nigella sativa, auf den Etiketten steht.