MSM: Wofür? Wie viel? Welche Funktion? Was beachten?
Was ist MSM?
Methylsulfonylmethan ist eine Verbindung, die natürlicherweise in Pflanzen und Tieren vorkommt. Weitere Bezeichnungen sind organischer Schwefel oder die Abkürzung MSM.
Der Mineralstoff Schwefel gehört zur Gruppe der Mengenelemente und ist für den menschlichen Körper essenziell. Mengenelemente charakterisiert, dass wir Menschen erwiesenermaßen über 50 Milligramm täglich davon benötigen.
Da der Körper Schwefel und damit MSM nicht selbst herstellen kann, ist er auf eine Zufuhr von außen angewiesen. MSM kann über Lebensmittel oder als Nahrungsergänzungsmittel als Pulver oder in fester Form eingenommen werden.
Interessante Fakten zu MSM
- Mittelalterliche Konservierung des Essens mit Schwefel
Bereits im späten Mittelalter wussten die Menschen von der konservierenden Wirkung des Schwefels und nutzten diese zum Haltbarmachen ihrer Nahrung. Auch heute noch dienen verschiedene schwefelhaltige Verbindungen als Konservierungs- und Antioxidationsmittel. Geschwefelte Produkte sind zum Beispiel Trockenobst, Fruchtsäfte und Wein. - MSM in unterschiedlicher Reinheit
In der Regel wird MSM chemisch durch die Oxidation des Lösungsmittels Dimethylsulfoxid (DMSO) hergestellt. DMSO entsteht als Nebenprodukt der Holzindustrie. Die Reinheit des gewonnenen Produkts entscheidet über den Anwendungsbereich des Produkts. Hochreines MSM eignet sich für pharmazeutische Zwecke, während MSM mit geringerer Reinheit in Tierfutter Verwendung findet. - Schwefel und MSM sind geruchlos
Schwefel ist ein gelber Feststoff, der in der Natur vorkommt und völlig geruchlos ist. Das gilt auch für MSM, das ebenfalls keinen Duft verströmt. Der typische Geruch nach faulen Eiern bezieht sich nicht auf den Feststoff Schwefel, sondern die giftige Gasverbindung Schwefelwasserstoff (H2S). Der faulige Geruch entsteht, wenn schwefelhaltige Aminosäuren und deren Proteine durch Fäulnisbakterien zersetzt werden.
Die schwefelhaltige Substanz Dimethylsulfoxid (DMSO) ist unter anderem ein Hilfsmittel in Medikamenten, die der äußerlichen Behandlung von Warzen dienen. Es verbessert die Durchlässigkeit der Haut, sodass der Wirkstoff einfacher durch die Hautbarriere gelangt. Die Chemiker Robert Herschler und Stanley Jacob interessierten sich Ende der 1970er-Jahre für das chemisch verwandte MSM und versuchten, ähnliche therapeutische Anwendungen zu finden. Im Zuge ihrer Untersuchungen meldete Herschler mehrere Patente an. Beispiele für die Anwendung waren der Stressabbau, die Stärkung von Nägeln und die Behandlung von Infektionen durch Parasiten. Diese Behauptungen waren allerdings nicht hinreichend belegt.
Aufgaben und Funktionen: Wofür braucht der Körper MSM?
MSM dient Deinem Körper als Quelle für Schwefel. Schwefel wiederum wird benötigt für bestimmte schwefelhaltige Eiweißbausteine (Aminosäuren) und als Komponente für den Knorpel. Er ist auch Bestandteil weiterer lebenswichtiger Substanzen. Dazu gehört Insulin, das der Körper braucht, um Zucker aus dem Blut in die Zellen zu schleusen. Auch Keratin kommt nicht ohne Schwefel aus. Keratin ist der wichtigste Baustein Deiner Haare und Nägel.
Neuere Studien befassen sich mit einer möglichen entzündungshemmenden Wirkung von MSM. Einzelne Untersuchungen zeigen, dass die orale Einnahme von MSM bei leichten Beschwerden in Gelenken wie den Knien schmerzlindernd wirken kann.
MSM nimmt vermutlich auch Einfluss auf Botenstoffe des Immunsystems, die sogenannten Zytokine. Das kann Sportler:innen zugutekommen, die nach einem intensiven Training Schmerzen in den Muskeln verspüren . Muskelkater nach Überlastung beruht im Wesentlichen auf minimalen Gewebeschäden mit nachfolgenden entzündlichen Reaktionen.
In Tierstudien zeigt sich durch MSM eine Verbesserung bei gestörtem Glukose- und Fettstoffwechsel. Lassen sich diese Ergebnisse auch beim Menschen nachweisen, könnte MSM möglicherweise bei Stoffwechselstörungen wie Typ-2-Diabetes oder Fettleber und damit einhergehendem Übergewicht helfen. Da ein stabiler Insulinspiegel Heißhungerattacken verringert, könnte dies indirekt die Gewichtsabnahme erleichtern.
Kollagen ist der Hauptbestandteil von Knorpel, Knochen, Sehnen und Zahnbein. Forschende haben in Studien untersucht, ob Kombinationen von MSM und Kollagen Effekte erzielen, die über die Wirkung der Einzelstoffe hinausgehen. Erste Untersuchungen von Kombinationspräparaten mit MSM und Kollagen deuten solche synergistischen Effekte an, denn nicht nur die Struktur, sondern auch die Befeuchtung der Haut verbesserte sich.
Die Studienlage zur Wirkung von MSM bei Allergien ist derzeit noch klein. In einzelnen Tests bei Menschen mit Heuschnupfen führte die Einnahme von MSM zu einer Linderung der Symptome. In diesem Bereich sind jedoch weitere Forschungen nötig.
Hättest Du das über MSM gewusst?
- MSM als Bestandteil des ewigen Schwefelkreislaufs
Der Schwefelkreislauf beschreibt den Austausch von Schwefel zwischen Boden, Luft, Wasser und Lebewesen. MSM ist ein Teil davon – es gelangt aus der Atmosphäre in den Boden. Im Frühjahr und Sommer sind stärkere Konzentrationen in der Luft messbar, vermutlich aufgrund der höheren Temperaturen. Pflanzen nehmen MSM aus dem Boden über ihre Wurzel auf, und über pflanzliche Lebensmittel erreicht es letztendlich Deinen Körper. - Schwefel – vom ehemaligen Schadstoff zu einem begehrten Bodennährstoff
Schwefel im Boden ist wichtig für ein gesundes Wachstum von Pflanzen. Früher waren die schwefelhaltigen Abgase von Braunkohlekraftwerken und Brikettöfen problematisch. Sie gelangten vermehrt in die Luft und als „saurer Regen“ auch in die Böden. Durch die Rauchgasentschwefelung ab 1980 ist diese Quelle versiegt. Inzwischen kommt es immer häufiger zum Gegenteil: Schwefelmangel im Boden. Dabei leidet neben dem Wachstum der Pflanzen auch die Aufnahme anderer Nährstoffe wie Stickstoff. - Schwefel hilft Pflanzen – zum Beispiel bei der Abwehr
Schwefelhaltige Verbindungen sind nicht nur beim Menschen, sondern auch bei Pflanzen ein bedeutender Baustein ihrer Aminosäuren. Schwefel stärkt zudem die natürliche Widerstandskraft gegen schädliche Umwelteinflüsse und Krankheiten. Als Komponente von Bitterstoffen schreckt er Schädlinge wie Raupen ab, die Pflanzen anzufressen. Im Gemüsebau ist Schwefel wichtig für den typischen Geschmack und Geruch von Pflanzen, wie bei der Zwiebelknolle oder dem Kohlkopf.
Tagesbedarf: Wie viel MSM am Tag?
Es liegt keine offizielle Einschätzung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) zum Tagesbedarf von MSM vor.
Die US-amerikanische Behörde für Lebens- und Arzneimittel (FDA) stuft eine Tagesdosierung von 4,8 Gramm MSM als sicher ein.
Menschen mit bestimmten Erkrankungen sollten kein MSM einnehmen. Dazu gehören Personen mit einem angeborenen Mangel eines bestimmten Enzyms, das Sulfit abbaut, oder mit einem Mangel an dem Spurenelement Molybdän. Der Körper braucht Molybdän für das Enzym Sulfit-Oxidase zum Schwefelabbau. Ein Molybdänmangel tritt selten auf, kann aber beispielsweise bei einer längerfristigen künstlichen Ernährung vorkommen.
MSM: Referenzwerte
Es gibt keine verbindlichen Referenzwerte für MSM, jedoch Schätzungen für den täglichen Bedarf an Schwefel. Der Schwefelbedarf für gesunde Erwachsene wird auf 13 bis 25 Milligramm Schwefel pro Kilogramm Körpergewicht geschätzt.
Schwefelquellen werden traditionell für Anwendungen in Kurbädern eingesetzt. Vor allem für Patient:innen mit dermatologischen Problemen, entzündlich-rheumatischen und orthopädischen Erkrankungen stehen Schwefelbäder bei einer Kur auf dem Programm.
MSM: Wo enthalten?
MSM ist als organische Schwefelverbindung in vielen pflanzlichen und tierischen Nahrungsmitteln enthalten. Zu den pflanzlichen Lebensmitteln mit Schwefel gehört Gemüse wie Knoblauch, Lauch, Schnittlauch, Bärlauch, Zwiebeln und Brokkoli. Auch in Sonnenblumen-, Cashew- und Sesamkernen, Schokolade sowie Walnüssen und Mandeln ist Schwefel enthalten. Zu den Quellen tierischen Ursprungs zählen Fleisch, Fisch, Eier und Milchprodukte, insbesondere Parmesankäse. Der natürliche Gehalt in Kuhmilch und Kaffee ist besonders hoch.
Der MSM-Gehalt bei Lebensmitteln kann in parts per million (kurz ppm) angegeben sein. Um diese „Teile pro Million“ in Prozent umzurechnen, teilt man die Angabe durch 10.000. Der Gehalt in Kuhmilch beträgt beispielsweise 3,3 ppm MSM, das entspricht 0,00033 Prozent. Kaffee mit 1,6 ppm MSM enthält nur noch halb so viel MSM, gefolgt von Tomaten mit 0,86 ppm. Tee und Bier kommen jeweils auf 0,3 ppm und 0,18 ppm MSM.
MSM-Zufuhr
Bei einer abwechslungsreichen Mischkost ist ein Mangel an schwefelhaltigen Verbindungen wie MSM in der Regel nicht zu erwarten.
Die DGE geht davon aus, dass der Bedarf an Schwefel bei gesunden Menschen durch die Zufuhr von schwefelhaltigen Aminosäuren aus der Nahrung gedeckt ist und kein Mangel entstehen kann. Entsprechend fehlen klinische Studien, die sich mit den Symptomen eines möglichen Mangels an MSM auf die Gesundheit befassen.
Zu viel MSM: Überdosierung
Bei einer kurzfristigen Einnahme von MSM in Pulver- oder Tablettenform können bei entsprechender Unverträglichkeit allergische Reaktionen auftreten. Weitere mögliche Nebenwirkungen bei der Einnahme der Verbindung mit Schwefel sind Magen-Darm-Probleme oder Hautreizungen.
Es ist bislang nicht bekannt, ob eine Überdosierung von MSM über einen längeren Zeitraum zu gesundheitlichen Problemen führt. Grundsätzlich verbleibt MSM nicht lange im Körper, da es schnell wieder ausgeschieden wird.
MSM: Darreichungsformen
Wie lässt sich MSM einnehmen, wenn Du Deinen Körper mit der Schwefelverbindung unterstützen möchtest? Für die orale Einnahme zur Nahrungsergänzung stehen verschiedene Darreichungsformen zur Verfügung. Dazu gehören Tabletten oder Kapseln sowie MSM als Pulver. Diese Präparate sind auch in Kombination mit anderen Mikronährstoffen erhältlich.
Für die äußerliche Anwendung auf der Haut sind im Handel Cremes oder Gels mit MSM erhältlich.
Welche tägliche Menge an MSM als hochdosiert gilt, ist nicht genau definiert, da es bislang keine ausreichenden Studien zur optimalen Dosis gibt.