Glucosamin
Glucosamin findet sich als Baustein des Biomoleküls Chitin in tierischen Quellen, wie Krusten- und Schalentiere sowie Insekten. Es ist auch als Bestandteil der Zellwände in Pilzen und Flechten zu finden. Die meisten Menschen nehmen über die Ernährung eher geringe Mengen an Glucosamin auf, selbst wenn sie sich ausgewogen ernähren. Hier erfährst Du weitere Details zu den Aufgaben von Glucosamin in Deinem Körper – und wie Du Deine Zufuhr verbessern kannst.
Was ist Glucosamin?
Glucosamin ist ein Aminozucker, der sich aus Glucose und einer Aminogruppe (Glutamin) zusammensetzt und von Deinem Körper aus diesen Bausteinen selbst hergestellt wird. Er ist ein Bestandteil des Bindegewebes, des Knorpels und der Gelenkflüssigkeit.
Der Aminozucker Glucosamin liegt in verschiedenen Formen vor. In der N-acetylierten Form ist er bei uns Menschen und bei Wirbeltieren ein Bestandteil der Hyaluronsäure. Es wird dann als N-Acetylglucosamin bezeichnet. Hyaluronsäure kommt wie Glucosamin in der Gelenkflüssigkeit vor und ist dort als sogenanntes Schmiermittel bei Gelenkbewegungen bekannt.
Glucosamin kann als Arzneimittel bei Verschleißerscheinungen der Gelenke wie Arthrosen eingesetzt werden. Es ist auch als Nahrungsergänzungsmittel (NEM) eingesetzt verfügbar. In NEM kommen als Glucosaminquellen sowohl N-Acetylglucosamin als auch zwei weitere Verbindungen zum Einsatz, Glucosaminsulfat sowie Glucosaminhydrochlorid. Mitunter ist in Präparaten Glucosamin mit Chondroitinsulfat kombiniert. Chondroitinsulfate sind Mehrfachzucker, die wie Glucosamin auch im Knorpel vorkommen und an seinem Aufbau beteiligt sind.
Interessante Fakten zu Glucosamin
- Glucosamin und der Baustein Glucose
Glucosamin gehört als Aminozucker zu den Kohlenhydraten, auch Saccharide genannt. Diese Naturstoffe sind in jeder pflanzlichen und tierischen Zelle vorhanden und stellen – auf die Menge bezogen – den größten Anteil der auf der Erde vorkommenden organischen Verbindungen dar. Für fast alle Kohlehydrate ist Glucose die Ausgangssubstanz – wie auch für Glucosamin. Der wichtige Einfachzucker Glucose entsteht in grünen Pflanzen durch Photosynthese, oder in der menschlichen Leber und in den Nieren durch einen speziellen Herstellungsprozess. Fachleute bezeichnen ihn als Glukoneogenese. - Glucosamin ist für Babys besonders wichtig
In Muttermilch sind neben Milchzucker (Lactose) verschiedene Mehrfachzucker enthalten. Diese Mehrfachzucker (Oligosaccharide) bestehen aus miteinander verbundenen Einfachzuckern. N-Acetylglucosamin ist einer dieser Einfachzucker. Für den Säugling ist es aus verschiedenen Gründen wichtig, diese Mehrfachzucker aufzunehmen, wenn die Mutter ihn stillt. Die Oligosaccharide regen nämlich das Wachstum bestimmter Bakterien (Bifidobakterien) im Darm an. Diese Bakteriengruppe gehört zu den „guten“ Bakterien einer gesunden Darmflora. Sie sind unter andere wichtig für ein gut funktionierendes Immunsystem. - Frauen bekommen häufiger Arthrose
In Gelenkknorpel steckt Glucosamin. Wenn der Knorpel beschädigt wird oder verlorengeht, kommt es zur Arthrose. Diese Gelenkerkrankung befällt meist Knie, Hände oder Hüfte. Für das Auftreten spielt nicht nur das Alter der Betroffenen eine Rolle, sondern auch ihr Geschlecht. In einer Studie von 2017 waren bei den unter 30-Jährigen geschlechtsunabhängig weniger als ein Prozent betroffen. Bei den über 65-Jährigen ergab sich eine klare Geschlechterabhängigkeit: Etwa 48 Prozent der Frauen, aber nur etwa 18 Prozent der Männer waren an Arthrose erkrankt. Weitere biologische Risikofaktoren sind eine genetische Veranlagung, Gelenkverletzungen oder Fehlstellungen.
Der deutsche Mediziner Georg Ledderhose untersuchte vor mehr als 140 Jahren Knorpelgewebe und den Mehrfachzucker Chitin, der unter anderem Bestandteil des Außenskeletts von Krebstieren ist. 1876 gelang es ihm, aus Chitin eine Substanz zu isolieren, die er Glucosamin nannte. 26 Jahre später berichtete der Chemiker Emil Fischer, dass er einen Weg zur Synthese von Glucosamin gefunden hatte. Im gleichen Jahr, 1902, erhielt Fischer für seine Leistungen in der Erforschung der Zuckerchemie den Nobelpreis in Chemie.
Glucosamin: Aufgaben und Funktionen
Was macht Glucosamin im Körper? Der Aminozucker ist an der Bildung von Glykosaminoglykanen beteiligt. Diese Mehrfachzucker sind eine Gruppe von Verbindungen, die in Deinem Körper eine gallertartige Grundsubstanz mit hoher Druckfestigkeit bilden. Sie kommen besonders im Bindegewebe vor, aber auch in Gelenken und Knorpel. Die gelähnliche Konsistenz unterstützt in den entsprechenden Körperabschnitten eine Stütz-, Schutz- oder Gleitfunktion.
Ein für die Gelenke wichtiges Glykosaminoglyan ist die Hyaluronsäure. Sie besteht aus Glucosamin und Glucuronsäure. Dieser Mehrfachzucker mit unterschiedlich langen Ketten aus Zweifachzuckern wird unter anderem in den Gelenken selbst gebildet. Bei jungen Menschen sind die Ketten noch sehr lang, und die elastischen Eigenschaften der Gelenkflüssigkeit sehr gut. Bei Menschen mit der Gelenkerkrankung Arthrose liegt Hyaluronsäure mit kürzeren Ketten vor, insbesondere bei fortgeschrittener Erkrankung. Gelenke mit Arthrose werden daher weniger gut „geschmiert.
Hättest Du das über Glucosamin gewusst?
- Glucosamin ist ein Abbauprodukt von Chitin
Der natürlich vorkommende Mehrfachzucker Chitin bildet nicht nur das Außenskelett von Insekten und Krebstieren, den sogenannten Chitin-Panzer, sondern ist auch elastischer Bestandteil der Zellwände von Pilzen und Flechten. Er ist mit der Zellulose nahe verwandt – dem Mehrfachzucker aus den Zellwänden von Pflanzen. Wenn starke Säuren auf Chitin einwirken, kommt es zur Spaltung, und es entstehen der Aminozucker Glucosamin und Essigsäure. - Glucosamin für Veganer:innen
Glucosamin kann nicht nur durch Säurebehandlung von tierischen Quellen, wie den Schalen von Krabben und Garnelen, hergestellt werden. Alternativ erforschen Wissenschaftler:innen, ob es möglich ist, durch einen Fermentations-Prozess (Gärung) mit Fadenpilzen oder bestimmten Bakterien den Aminozucker zu gewinnen. Es gibt zudem pflanzliche Alternativen zur Herstellung. So nutzen Fachleute Mais für die Aminozucker-Produktion. Da sie dabei keine Substanzen tierischen Ursprungs verwenden, handelt es sich um vegan hergestelltes Glucosamin. - Glucosamin in der Kosmetik
Der Aminozucker Glucosamin ist auch in der Kosmetik als Hilfsmittel zugelassen. Er hat zum Beispiel antistatische Eigenschaften und wird dafür eingesetzt, „fliegende Haare“ zu bändigen. Außerdem enthalten ihn viele Haarspülungen als pflegenden Zusatz.
Tagesbedarf: Wie viel Glucosamin am Tag?
Wie viel Glucosamin pro Tag ist sinnvoll? Das lässt sich nach aktueller Studienlage nicht beantworten. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) hat bisher keine Referenzwerte für Aminozucker wie Glucosamin erstellt. Die zulässigen Höchstwerte an Glucosamin in Nahrungsergänzungsmitteln sind jedoch festgelegt und geben Dir Orientierung bei der richtigen Dosierung.
Wenn Glucosamin aus Schalen von Krebstieren gewonnen wird, sollte dies auf den entsprechenden Produkten vermerkt sein. So sind Verbraucher, die an einer Krebstierallergie leiden, informiert.
Unser Körper bildet Glucosamin aus dem Zucker Glucose und der Aminogruppe Glutamin. Letztere Substanz ist als Glutaminsäure in einer Vielzahl von Lebensmitteln enthalten. Dein Körper kann die Aminosäure Glutaminsäure in Glutamin umwandeln. Besonders hohe Gehalte an Glutamin finden sich in Erd- und Walnüssen, Hartkäsen wie Gouda, Sojabohnen sowie Fleisch vom Schwein oder Rind.
Welche Lebensmittel haben am meisten Glucosamin?
Gibt es glucosaminhaltige Lebensmittel, mit denen Du Deine Versorgung unterstützen kannst? Als natürliche Lieferanten für den Aminozucker Glucosamin sind nur wenige Quellen bekannt. Zum einen findet sich N-Acetylglucosamin als Baustein des Mehrfachzuckers Chitin in Krusten- und Schalentieren, wie Garnelen, Muscheln und Krabben, sowie in Insekten. Zudem ist es ein Bestandteil der Zellwand von Pilzen und Flechten (Lebensgemeinschaften aus Pilzen und Algen).
Aufgrund dieser wenigen und speziellen Lebensmittel mit Glucosamin, die bei einer abwechslungsreichen Ernährungsweise nicht den Großteil der täglichen Lebensmittel ausmachen, ist die Zufuhr von Glucosamin pro Tag nach derzeitigem Kenntnisstand als gering anzusehen.
Der Aminozucker Glucosamin besteht aus nur einer Zuckereinheit und gehört dementsprechend zu den Einfachzuckern oder Monosacchariden. Diese Gruppe der Kohlehydrate ist wasserlöslich und hat einen süßlichen Geschmack – weswegen sie mitunter einfach als Zucker zusammengefasst werden. Mehrfachzucker hingegen, die sogenannten Polysaccharide, sind schlecht oder gar nicht in Wasser löslich und haben einen neutralen Geschmack.
Glucusamin-Mangel: Ursachen & Symptome
Glucosamin ist an der Bildung von Proteoglykanen beteiligt, die die Bausteine des Knorpels sind. Proteoglykane sind sehr große Moleküle, die einen Proteinkern und sehr lange, unverzweigte Zuckerketten aufweisen. Sie sorgen für Elastizität im Gewebe. Mit zunehmendem Alter scheint die Fähigkeit, genügend Glucosamin herzustellen, abzunehmen. Der daraus resultierende Mangel an Proteoglykanen kann zur Rückbildung von Knorpelgewebe führen. Dieser Abbau von Knorpelsubstanz ist typisch für die Gelenkerkrankung Arthrose.
Zu viel Glycosamin: Überdosierung
Wenn Glucosamin in Nahrungsergänzungsmitteln in einer höheren Dosis als empfohlen eingenommen wird, kann es zu unerwünschten Nebenwirkungen kommen.
Folgende Nebenwirkungen bei der Einnahme von Glucosamin sind bekannt:
- Magen-Darmprobleme, wie Übelkeit, Erbrechen, Durchfall oder Verstopfung
- Kopfschmerzen
- Schwindel
- Verwirrtheit
- Gelenkschmerzen
- Hautprobleme, wie Rötungen, Ekzeme oder Juckreiz
Diese Nebenwirkungen können bei einer Überdosierung mit glucosaminhaltigen Nahrungsergänzungsmitteln oder auch unabhängig von der Dosierung auftreten.
Glucosamin: Höchstmengen
Das Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) befasst sich mit der gesundheitlichen Bewertung von Nahrungsergänzungsmitteln (NEM). Diese enthalten Nährstoffe oder sonstige Stoffe mit ernährungsspezifischer oder physiologischer Wirkung. Sie sind mit einer Angabe über die empfohlene tägliche Verzehrmenge ausgestattet, die regelmäßig anhand neuester Erkenntnisse aktualisiert werden. Diese Angabe hilft Dir, die richtige Dosierung zu finden.
Für Glucosamin in NEM hat sich das BfR an den Empfehlungen der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) orientiert, die für Arzneimittel eine tägliche Zufuhr von 1.250 Milligramm Glucosamin pro Tag ermittelt hat. Diesen Wert hat das BfR übernommen und gibt als Quellen für das Glucosamin die Salzverbindungen Glucosaminsulfat und Glucosaminhydrochlorid an. Da es zu N-Acetylglucosamin derzeit nicht genügend Daten gibt, hat das BfR diese Form in ihrer Bewertung nicht berücksichtigt.
Das BfR bestätigt, dass es keine ernst zu nehmenden Gesundheitsrisiken gibt, wenn gesunde und nicht schwangere Erwachsene täglich Nahrungsergänzungsmittel mit einem Gehalt unter 1.250 Milligramm Glucosamin einnehmen.
Eine abschließende Bewertung einer Zufuhr von Glucosamin bei Kindern und Jugendlichen sowie Schwangeren und Stillenden ist aufgrund fehlender Daten nicht möglich. Zudem besteht für bestimmte Personengruppen ein mögliches Risiko bei der Einnahme glucosaminhaltiger Präparate. Dazu gehören Menschen mit eingeschränkter Glukosetoleranz, Patienten, die bestimmte Blutgerinnungshemmer (Cumarin-Antikoagulantien) einnehmen oder Personen mit einem bekannten Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen.
Das BfR empfiehlt aus Vorsichtsgründen, Glucosamin-haltige Nahrungsergänzungsmittel mit entsprechenden Hinweisen für Schwangere, stillende Frauen, Kinder und Jugendliche sowie für die Risikogruppen zu kennzeichnen.
Glucosamin: Darreichungsformen
Wenn Du Deine tägliche Zufuhr an Glucosamin durch hochdosierte Nahrungsergänzungsmittel fördern möchtest, kannst Du auf verschiedene Darreichungsformen im Handel zurückgreifen. Mitunter erfolgt eine Kombination von Glucosamin mit anderen Mikronährstoffen, insbesondere mit Chondroitinsulfat.
Hier geben wir Dir eine kleine Auswahl der Darreichungsformen zur Nahrungsergänzung:
- Glucosamin-Kapseln
- Glucosamin-Tabletten
- Glucosamin-Granulat
- Glucosamin-Pulver
Neben der oralen Verabreichung ist auch eine äußere Anwendung in Form von Glucosaminsalben oder -cremes möglich. Erste Studien befassen sich damit, welche Rolle im Detail die sogenannte topische Verabreichung von Glucosamin auf arthritische Gelenke spielen kann.